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Preisverleihung "Schweizer Jugend forscht"

Lugano, 05.05.2012 - Rede von Bundesrat Alain Berset - Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Herren Präsidenten,
Liebe Preisträgerinnen und Preisträger
Sehr geehrte Damen und Herren

Glauben Sie mir, ich bin mit grosser Freude nach Lugano gereist, um diesen Tag mit Ihnen zu verbringen. Sie, als junge Forscherinnen und Forscher, haben nämlich eine ganz wunderbare Eigenschaft: Sie stellen Fragen. Jedes Ihrer Projekte startete mit einer Frage: Was wäre wenn? Könnte man nicht? Ist es nicht möglich, dass? Sie haben Bestehendes hinterfragt und sich hineingekniet. Sie wollten herauszufinden, ob es nicht noch eine neue, eine bessere oder eine andere Antwort gibt.

Damit haben Sie, liebe Jungforscherinnen und Jungforscher, das Wichtigste im Leben schon begriffen und umgesetzt: Am Anfang von allen Neuerungen steht stets die Frage. Nur wer Fragen stellt und neugierig ist, holt das Beste aus allem heraus. Ich gebe gerne zu, dass es einfachere Wege gibt, sein Leben zu verbringen. Denn diejenigen, die Fragen stellen, sind oft die Unbequemen. Weil sie uns und unsere Entscheide hinterfragen, fordern sie uns heraus, das ebenfalls zu tun. Das ist anstrengend. Deshalb lässt man die Fragenden oft spüren, dass sie einem auf die Nerven gehen.

Wie sie wissen, ist mein Beruf Politiker. Ich liebe meinen Beruf und übe ihn mit Leidenschaft aus. Das ist ein Privileg. Wir Politiker können von Ihnen, den Forschern, etwas lernen:

Genau, Fragen zu stellen.

Als Politiker wird von uns erwartet, auf alles eine Antwort zu geben. Möglichst schnell. Möglichst definitiv. Dabei vergessen wir ab und an, dass wohl die schlimmsten Politiker diejenigen sind, die schon eine Antwort wissen, bevor sie überhaupt die Frage begriffen haben.

Auf die Dauer befriedigen Schnellschussantworten die Bürgerinnen und Bürger nicht. Dann stellen sie zu Recht Fragen: Warum ist das die richtige Lösung? Wieso ist das die richtige Regelung?

Es ist eben das insistierende Fragen, das uns weiterbringt. Und deshalb liegt mir der Wettbewerb «Schweizer Jugend forscht» so am Herzen.

Das ist auch der Grund, warum der Bundesrat die Stiftung in seiner nächsten Botschaft zu Bildung, Forschung und Innovation explizit erwähnt. Er will «Schweizer Jugend forscht» neu ab 2013 mit einem jährlichen Förderbeitrag von 150‘000 Franken unterstützen. Damit unterstreicht der Bundesrat die Bedeutung, die dieser Wettbewerb für ihn hat.

Insgesamt knapp achtzig junge Frauen und Männer aus fünfzehn Kantonen haben sich am diesjährigen Wettbewerb beteiligt. Die überwiegende Mehrheit von Ihnen besucht ein Gymnasium. Lernende sind deutlich untervertreten. Leider! Und leider auch die Romandie. Umso mehr freut es mich, dass der einzige französischsprachige Teilnehmer in diesem Jahr aus meinem Heimatkanton Freiburg stammt. Hier kann und muss sich «Schweizer Jugend forscht» noch verbessern. Und geeignete Massnahmen ergreifen. Ziel muss sein, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am nationalen Wettbewerb aus allen Kantonen und Sprachregionen stammen. «Junge Köpfe – kluge Ideen» gibt es in allen Regionen der Schweiz – am Gymnasium und unter den Jugendlichen, die eine Berufslehre absolvieren.

Wichtig ist für Sie als künftige Studentinnen, Studenten und Berufsleute auch, dass der Bundesrat für die nächsten vier Jahre rund 26 Milliarden Franken ausgeben will – für Bildung, Forschung und Innovation. Dies entspricht einer jährlichen nominalen Wachstumsrate von 3,7 Prozent. Das ist eine überdurchschnittliche Zunahme im Vergleich mit anderen Bereichen.

Die Schweiz ist auch Teil des universitären Raums der EU. Das ermöglicht Ihnen, einen Teil ihres Studiums in einem anderen Land zu absolvieren. Profitieren Sie von dieser Möglichkeit! Wagen Sie es, auch in einen anderen Sprachraum zu gehen. Ich empfehle Ihnen das. Ich selbst forschte ein Jahr lang in Hamburg und denke gerne an diese Zeit zurück. Legen Sie mit einem Auslandjahr einen Grundstein für ihre Zukunft, aber auch für die Zukunft der Schweiz. Denn: Forschung und Innovation sind für unser Land von unschätzbarem Wert.

Possiamo dire con orgoglio di vivere in un Paese ricco di inventiva e all’avanguardia nell’innovazione: l’anno scorso ci siamo classificati al primo posto sia nel «Global Innovation Index» sia nell’«Innovation Union Scoreboard» della Commissione europea. Siamo dunque ancora una volta il Paese più innovativo d’Europa, davanti a Svezia, Danimarca, Germania e Finlandia, e del mondo, davanti a Svezia, Singapore e Hong Kong. Per mantenere la nostra posizione di punta cooperiamo con altri Stati anche nella ricerca e partecipiamo per esempio al programma di ricerca dell’Unione europea, che finanzia regolarmente progetti delle nostre scuole universitarie. Senza la cooperazione internazionale il nostro piccolo Paese non potrebbe competere con i grandi della Terra, per esempio con colossi emergenti come la Cina, il Brasile o l’India. La cooperazione scientifica con questi Paesi è quindi prioritaria per il Consiglio federale.

Come Paese altamente tecnologico, la Svizzera ha però anche il dovere di condividere il proprio know-how con Stati meno privilegiati e di sostenerli nei loro sforzi di acquisizione del sapere.

Vergessen wir nicht, dass weltweit fast 800 Millionen Erwachsene keine Schule besuchen können. Sie sind damit von der Wissensgesellschaft weitgehend ausgeschlossen. Millionen von Menschen ist auch der Zugang zu Aus- und Weiterbildung verwehrt, weil das Geld für moderne Technologien und die nötige Infrastruktur fehlt. Wir in der Schweiz sind demgegenüber privilegiert. Es ist unsere Pflicht, dazu beizutragen, dass sich auch weniger Privilegierten jene Zukunftsperspektiven eröffnen, die ihnen heute noch verschlossen sind. Vom Wissensaustausch können wiederum wir profitieren. Dadurch entstehteine eigentliche Win-Win-Situation.

Wieviel Talent in der Schweiz vorhanden ist, zeigen die eingereichten Arbeiten: Bei der heutigen Preisverleihung sind praktisch alle wissenschaftlichen Bereiche vertreten: Von Umwelt, Biologie, Chemie und Medizin, über Technik und Physik bis hin zu Architektur, Kunst, Literatur und Philosophie. Dahinter steckt nicht nur viel Arbeit und Engagement, sondern auch viel Unterstützung von Eltern und Lehrpersonen. Da bin ich mir sicher und deshalb sei auch Ihnen hier gedankt.

Wir freuen uns nun auf die Präsentationen. Und ich möchte Ihnen auf den Weg geben, was ich zu Beginn meines Referats gesagt habe: Bleiben Sie neugierig und stellen die Fragen. Ein Leben lang. Und immer wieder. Auch heute: Fragen Sie mich, wenn wir in der Pause zusammen sind. Ich verspreche Ihnen, ich werde Sie nicht mit vorgefertigten Antworten abspeisen, sondern notfalls auch zugeben, wenn ich keine Antwort weiss. Und wenn genau das passiert, haben wir gemeinsam den Grundstein für eine neue, innovative Lösung gelegt.

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